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800px-Emilia Galotti

Figurendiagramm zur Darstellung der Beziehungen untereinander (Quelle: wikimedia commons, gemeinfrei)

Am Anfang eines jeden Buches steht die Idee. Zuerst sollte man sich überlegen, in welcher Zeit die Handlung stattfinden soll und welche Hauptcharaktere man zumindest schon einmal grob im Kopf hat. Es kann helfen, sich stichpunktartig diese oft nur bruchstückhaften Ideen aufzuschreiben oder eine Mindmap anzulegen. Die Reifung einer Idee kann sehr lange dauern, aber manchen hilft es, diesen Ideenprozess zu unterstützen, indem sie (Sach-)Bücher zum Thema lesen oder Musik aus einer bestimmten Zeit hören.

Das geeignete KonzeptBearbeiten

Wer eine komplexe Handlung verfolgen möchte, braucht zunächst einen roten Faden. Es ist wichtig, diesen bereits vor dem Schreiben anzulegen, um während der Formulierung nicht vom Konzept abzuweichen. Oftmals kann ein Zeitstrahl helfen. Man kann aber auch bereits eine Unterteilung in Kapitel vornehmen, um einzelne Geschehnisse voneinander abzugrenzen.

Ist man als Autor/in zur Konzeption vorgedrungen, ist jetzt die Zeit gekommen, sich Gedanken über die Hauptcharaktere zu machen. Viele legen Steckbriefe für ihre Charaktere an und berücksichtigen auch den Einfluss, den die Zeit, in der die Handlung spielt, die Gesellschaft, etwaige Konflikte und die Familie auf die Figuren haben. Bei der Entscheidung, wie der Charakter aussehen soll, kann man sich überlegen, ob sein Aussehen bereits etwas über seine/ihre Persönlichkeit verraten soll oder vielleicht sogar einen krassen Kontrast zu seinem/ihrem Wesen bildet (z.B. muss ein grobschlächtig aussehender Mann mit mächtigen Pranken nicht zwangsläufig gewalttätig und bedrohlich sein, auch wenn er zunächst so wirkt). Eine weiterführende Technik besteht darin, ein Diagramm zu erstellen, das die Beziehungen der Charaktere untereinander verdeutlicht. Die Beziehungen beeinflussen den Verlauf von Dialogen und auch die Art und Weise, in der Konversationen geführt werden. Beispielsweise spricht ein Sohn seine Mutter auf eine andere Weise an als seinen besten Freund.

Beispiele für KonzeptansätzeBearbeiten

Im vorigen Absatz wurden einige Ideen für Konzepte vorgestellt, auf die wir jetzt genauer eingehen. Zuerst sehen wir uns eine Kapitelunterteilung an, die für denjenigen am Besten geeignet ist, der schon eine konkrete Vorstellung vom Handlungsverlauf hat und diesen nun strukturieren möchte. Die Vorteile eines solchen Konzepts bestehen in der klaren Inhaltsaufteilung und der Möglichkeit, den Plot detailgetreu festzuhalten. Wem schon einzelne Sätze einfallen, die er unbedingt einbringen möchte, kann diese schon unter den jeweiligen Kapitelüberschriften festhalten. Wenn dann der Schreibfluss später einmal stockt, kann die Übersicht helfen, den roten Faden nicht zu verlieren. Und so kann eine solche Kapitelübersicht aussehen:

Prolog Kapitel 1
Perspektive: Von außen beobachtender Erzähler (Nachbar, Chronist) Perspektive: von außen beobachtende Erzählweise wechselt zu allwissendem Erzähler (von innen beobachtend, Fokus auf dem einzigen Sohn)

Inhalt: Kommentierung der Familie durch die Nachbarn, abwertend.

Familie durch Finanzkrise und 1. Weltkrieg verarmt, Vater: Suchtproblematik, häusl. Gewalt

Inhalt: Sohn als Hauptcharakter vorgestellt, schleicht sich aus dem Haus, detaillierte Beschreibung seiner Mimik und Gestik

Flucht vor prügelndem Vater

Wie man diese Übersicht gestaltet, hängt natürlich vom persönlichen Geschmack ab. Manch einem reicht eine oberflächliche, grobe Skizze des Handlungsverlaufs, ähnlich wie in unserem Beispiel, während der Nächste schon konkrete Zusammenfassungen schreibt. Der einzige Nachteil ist der, dass man schon eine Vorstellung vom Verlauf der Geschichte haben sollte. Manchmal muss man auch Inhalte umstellen, um die Handlung schlüssiger zu gestalten, was die Erstellung einer solchen Tabelle recht aufwändig gestaltet.

Gern verwendet man Zeitstrahlmodelle. In einem Zeitstrahl kann man historische und persönliche Ereignisse darstellen und ihre Chronologie festlegen. Da einem Autor viele Ideen oft erst während des Schreibens kommen, ist es hilfreich, den Zeitstrahl so flexibel zu gestalten, dass jederzeit Ereignisse entfernt, umgestellt oder hinzugefügt werden können. Eine anschauliche Variante kann folgendermaßen aufgebaut werden: Man nehme eine Wäscheleine oder eine Paketschnur, diverse Büro- oder Wäscheklammern und viele kleine Zettel. Dann schreibt man auf jeden kleinen Zettel den Zeitpunkt und die damit zusammenhängenden Ereignisse. Farbige Zettel können dazu dienen, tatsächliche, durch Fakten belegbare historische Daten von fiktiven, die Charaktere und die Handlung betreffenden Ereignissen zu trennen. Hat man diese Zettel beschriftet, spannt man die Wäscheleine auf und befestigt die Zettel mithilfe der Klammern an der Leine. Dabei beachtet man die Reihenfolge, in der man die Ereignisse einsetzen möchte und verwendet historische Daten als Fixpunkte, die später auch zur Trennung einzelner Kapitel voneinander dienen können. Am fertigen Zeitstrahl lassen sich die Zettel beliebig umstecken und ersetzen. Dasselbe lässt sich ohne Leine, aber mit Zetteln an einer Pinnwand machen und bietet dieselben Vorteile. Ein Zeitstrahl kann sehr grob sein und hilft, eine detaillierte Vorstellung von der eigenen Geschichte zu entwickeln. Außerdem hat man auch hier die Möglichkeit, sich an dem berühmten roten Faden entlangzuhangeln.

Zu guter Letzt behandeln wir das Charakterdiagramm. Es gibt sehr viele verschiedene Varianten von Diagrammen, weshalb wir nur eine grobe Beschreibung geben, wie man eins aufbauen könnte. Diagramme bieten sich für Menschen an, die dem grafischen Lerntyp angehören, also denen, die sich Fakten besser einprägen können, wenn diese in Bildform aufbereitet werden. Ein Charakterdiagramm stellt die Beziehungen der Charaktere untereinander und die Einflüsse von Schlüsselereignissen auf sie dar. Man nimmt seine Hauptfigur und setzt ihren Namen in die Mitte des Blattes. Dann gruppiert man die Namen anderer Charaktere und die einzelner Ereignisse um die Hauptfigur herum. Wenn wir also den Sohn aus dem Beispiel zur Kapitelübersicht nehmen, steht er in der Mitte und sein Vater irgendwo in seiner Nähe, aber nicht zu nah, weil sie zwar verwandt sind, sich aber nicht nahe stehen. Man kann nun einen Pfeil vom Vater zum Sohn ziehen und in Stichworten dazuschreiben, was dieser für den Sohn empfindet oder welchen Einfluss er auf ihn hat (Beispiel: "früher: Vorbildfunktion. Jetzt: häusl. Gewalt, flößt Sohn Angst ein"). Genauso kann man parallel einen Pfeil vom Sohn zum Vater ziehen und ebenfalls beschriften: "Empfindet Abscheu, vermisst den alten Vater vor der Sucht". Dasselbe lässt sich mit Ereignissen machen. Beispiel: Der Sohn soll später in irgendeiner Weise an der Politik in seiner Stadt teilnehmen und hat erste Berührungen durch einen politischen Vortrag. Dann schreibt man aufs Papier "Vortrag der Partei XY" und zieht wieder Pfeile. So lässt sich eine Übersicht aller Beziehungen und Einflüsse erstellen. Der Nachteil ist allerdings, dass man nicht zu viele Pfeile und Ereignisse auf ein Papier zwängen sollte, sonst wird das Diagramm schnell unübersichtlich. Andererseits bestechen solche Diagramme dadurch, dass sie noch unentschlossenen Autoren ohne feste Idee für einen Handlungsverlauf helfen können, Ansätze zu entwickeln und Charaktere zu erschließen.

Sorgfältige RechercheBearbeiten

Oftmals unterschätzt, stellt die Recherche einen der wichtigsten Eckpfeiler einer spannenden und glaubwürdigen Handlung dar. Manchmal reichen kleinste Fehler, um Leser/innen vor den Kopf zu stoßen. Es lohnt sich daher, den Handlungsort aufzusuchen, sofern er real ist, oder einen Ort zu besuchen, der eine ähnliche Atmosphäre hat. Nur so kann erreicht werden, dass sich der/die Leser/in in die Geschichte entführen lässt.

Spielt die Handlung in einer bestimmten Zeit, sind die Lektüre von Fachliteratur und die Betrachtung zeitgenössischer Abbildungen unerlässlich, will man eine glaubwürdige Beschreibung verfassen. Vor allem bei sensiblen und gut erforschten Geschichtsabschnitten wie dem Dritten Reich ist eine sorgfältige Recherche vonnöten.

In bestimmten Milieus sollte auch auf kleinste Details geachtet werden. Ein/e Leser/in sucht sich ein Buch oft deshalb aus, weil es in einer Zeit oder einem Milieu spielt, das ihn/sie interessiert, daher besitzt er/sie oftmals Vorkenntnisse über das Thema und kann ein Buch nicht ernst nehmen, das schlecht recherchiert ist und die großen Wissenslücken seines Autors offenbart. Daher sollte man beispielsweise bei der Beschreibung von Uniformen militärischer Einheiten auf die korrekten Fachbegriffe und Dienstgradbezeichnungen achten. Genaueres zu sprachlichen Aspekten wie Anglizismen und zeitgenössischen Ausdrucksweisen werden wir aber im Abschnitt "Schreibprozess" behandeln.

Man kann auch Zeitzeugeninterviews führen, um ein Gefühl für das Leben in einer bestimmten Zeit zu bekommen. Auch so gewinnt eine Handlung an Glaubwürdigkeit. Es ist insbesondere interessant, diese Zeitzeugen das Manuskript lesen und bewerten zu lassen. Sie können oftmals am Besten beurteilen, ob der/die Autor/in das Leben in dieser Zeit schlüssig vermitteln konnte.

Manche Autoren brauchen viele Jahre für die Recherche, aber es lohnt sich, diese Zeit zu investieren. Als Anhaltspunkt kann beispielsweise Frank Schätzing gelten, der für seinen Bestseller "Der Schwarm" fünf Jahre allein für die Recherche brauchte und dann noch einmal zwei Jahre, um das Buch zu schreiben. Dafür wurde seine präzise Recherche von der Kritik sehr gelobt. Merke: Wer ein glaubwürdiges Buch schreiben will, muss recherchieren!

Bildquelle: Wikimedia Commons (gemeinfreies Bild)

Quellen:

http://v1259.vanager.de/ST_KING/Stephen%20King/King,Stephen%20-%20Das%20Leben%20und%20das%20Schreiben.pdf (Stephen Kings "Das Leben und das Schreiben" im Volltext)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schwarm#Rezensionen



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